Juni 11, 2017

Von Partyeinladungen und wahren Freunden

Als ich in der siebten Klasse war, gab es immer mal wieder Nachmittage, an denen ich Zuhause bei meiner Mutter am Küchentisch saß und ihr von meinen Sorgen erzählte. Wenn ich heute darüber nachdenke, muss ich über meine damaligen Gedanken doch sehr schmunzeln. Aber war es uns damals nicht allen wichtig, cool zu sein, einen großen Freundeskreis vorzuweisen, zu den beliebten Trendsettern zu gehören? Wie oft habe ich mir Gedanken darüber gemacht, ob die anderen mich mögen, ob ich zu dieser einen tollen Party, von der alle reden, eingeladen werde oder ob dieser eine Junge aus meiner Klasse meine Blicke bemerkt.

Ich würde mich selbst vermutlich nie als cool bezeichnen. Dafür passe ich schon mal so gar nicht in das klassische Schema der „Coolen“ mit meinen braunen Locken, der Brille und der Zwergengröße. Doch wenn man jünger ist, möchte man eben einfach dazu gehören. 

Versteht mich nicht falsch, ich hatte schon immer wunderbare Freunde (auch wenn man sich manchmal schwer damit tut, das zu bemerken), doch schon in der Unterstufe beschränkte meine Freundeszahl sich auf zwei Hände. Damals kam mir das unfassbar wenig vor, ich konnte nie prahlen mit großen Cliquen. Doch heute weiß ich, das waren wahre Freundschaften. Nichts Oberflächliches. Stundenlang nebeneinander im Bett liegen und sich Geheimnisse erzählen. Durch den Wald streifen und Banden gründen, Geheimverstecke suchen. Auf dem Trampolin übernachten.

Im Gegensatz zu manch anderen war ich in dem Alter einfach noch viel mehr Kind und bereue es bis heute nicht. Doch für diese paar Jahre mehr Kindheit mussten auch Freundschaften weichen. Heute würde man vermutlich sagen, dass das genau diese Clique der Coolen war, doch mir war das damals nie wirklich bewusst, ich sah es nicht. Und als sich die Freundschaften dann mit der Zeit lösten, wurde der Wunsch, beliebt zu sein, nur nochmal lauter. 

Mit der Pubertät hielt er an, endete in dem Jahr, als all die 18. Geburtstage gefeiert wurden und wir insgeheim alle bangten, eingeladen zu werden. Es waren viele Partys. Lange Nächte. Und ich war bei jeder dabei, wurde immer eingeladen. Aber auf einmal war mir das nicht mehr wichtig, das Wünschen hatte sich aufgelöst. Denn ich merkte eben durch diese Geburtstage und die Einladungen, auch wenn es noch so oberflächlich klingen mag, wenn man offen ist, man selbst und auf andere zugehen kann, dann braucht man nicht cool zu sein (braucht man sowieso nicht). Dann läuft das von ganz alleine. Ohne die Gedanken, dass man zu „wenig“ Freunde hätte. Ohne jeden Trend mitgemacht zu haben. 

Ich glaube, erst dieser lange Sommer der 18. Geburtstage hat mir gezeigt, dass es reicht. Dass ich genug bin. So wie ich bin. Ohne mich zu verstellen, sondern auf meine ganz einfache, fröhliche Art. Ein zu lautes Lachen, eine gewisse Träumerei und wilde Haare. 

Lange Zeit hatte ich einen zu hohen Anspruch an mich selbst. Habe ich sicherlich immer noch, aber zumindest im Bereich der Pseudo-Beliebtheit und Freundschaften habe ich dazu gelernt. Dass es keine „Freunde“ von über zwanzig Stück braucht, auf die man sich in den seltensten Fällen verlassen kann und die mehr Bekannte als wirkliche Freunde sind. Denn was erzählt man ihnen tatsächlich? Dass es nicht das zwanghafte Streben nach Ansehen braucht, um gemocht zu werden. Dass es im Grunde verrückt ist, sich über eine Einladung zu dieser einen coolen Party Sorgen zu machen. Und dass manche Dinge von ganz alleine kommen, bis man merkt, dass es einem nur noch halb so wichtig ist wie früher.

Ich werde immer noch auf die Partys und Geburtstage eingeladen, freue mich auf jeden einzelnen, verstehe mich noch immer wunderbar mit allen. Und habe zugleich gemerkt, dass ich lieber zehn enge, wunderbare Freunde habe mit denen ich die Nacht wunderbar falsch durchtanze, als Abermillionen Bekannte, auf die ich mich nicht verlassen kann, die aber meinen angeblichen Beliebtheitsgrad vorweisen. Und so sind es vielleicht auch Freunde. Auf eine andere Art. Für diesen Moment. Auf der Party, in der Schule. Aber nicht nachts, wenn es mir schlecht geht und ich einen wahren Freund brauche.

Manchmal braucht es eben Jahre, bis solche Sorgen verschwinden. Vielleicht ist das ein Zeichen dafür, dass man sich selbst wohler in seiner Haut fühlt. Den richtigen Weg gefunden hat. Oder einfach merkt, es reicht, wenn ich so bin, wie ich nun mal bin und meine wundervollen Freunde sind mehr als genug.

Kommentare :

  1. Konnte mich wiederfinden in deiner Geschichte und auch in deinem Fazit - Die wenigen wahren Freunde, die man bei Problemen anruft, sind die (einzig) wichtigen!

    Liebe Grüße,
    Alina von www.selfboost.de

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    1. Wie schön zu wissen, dass man mit solchen Gedanken während der Pubertät nicht alleine war. :-) Und umso schöner, dass auch du dieses Fazit ziehen konntest.

      Liebste Grüße!

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