Dezember 01, 2016

{Kolumne} Haken ab. Streichen durch.


Wir sind mit unserem Schreibtisch verheiratet. Verschmolzen mit dem Laptop. Verbunden mit unserem Smartphone.
Quantität vor Qualität. Schnell, schneller, am Schnellsten. 
Effektiv. Effizient.
Perfekt muss es sein und schnell noch dazu. Denn wer langsam arbeitet ist faul. Dumm. Unverlässlich. Kein Teil unserer Gesellschaft.

Wir haben Spaß am Arbeiten. Schreiben uns seitenlange Listen und freuen uns, einen weiteren Punkt durchstreichen zu können. Planen und timen alles genau, damit auch die kürzeste Sekunde ausgefüllt und perfekt genutzt werden kann.
Denn wer nicht kontinuierlich arbeitet, nicht fleißig ist, der wird nichts erreichen. Wird nicht erfolgreich sein, sondern eben faul bleiben, auf der Strecke bleiben. Letzter sein. Glauben wir zumindest.
Genau das, was wir am wenigsten wollen, wovor wir uns am meisten fürchten.
Aus diesem Grund arbeiten wir. Haken ab. Streichen durch. Laugen uns aus und vergessen zu atmen.

Und manchmal, immer seltener, da hören wir diese Stimme. Bloß ein Hauch, ein Flüstern, das uns sagt, dass wir aufhören sollten. Pause machen. Augen schließen. Träumen. Wir hören nicht zu und wissen doch, dass wir unsere Grenzen längst überschritten haben. Dass das, was wir tun längst nicht mehr effektiv ist. Oder effizient.

Also wagen wir es doch mal, brechen aus unserer Komfortzone aus und schließen die Augen. Sind mal nicht fleißig. Träumen. Entfalten uns und lassen die Gedanken treiben.
Denn das heißt noch lange nicht, dass wir faul, dumm oder unverlässlich sind. Viel eher, dass wir auf unsere innere Stimme hören und das Träumen nicht vergessen.


Aufatmen.

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