November 20, 2016

Dem Sonnenaufgang entgegen oder ein neues Ich



Und dann gibt es diese Tage, an denen alles auf und ab geht. In der einen Minute bin ich glücklich, habe das Gefühl, das Herz quillt über vor lauter Freude und Sonnenschein. Doch im nächsten Moment kommt sie bereits, die düstere Gewitterwolke, schiebt sich vor die Sonnen, lässt es blitzen, donnern, hageln, dass ich mich nur noch klein machen und unter meinem Bett verstecken möchte.
Das sind die Momente, in denen ich das Gefühl habe, niemand versteht mich, niemand kann nachvollziehen, welcher Sturm in mir tobt. Ich selbst am wenigsten. Und das, wo ich mich doch eigentlich am besten kennen müsste.
In diesen Momenten bin ich mir ferner denn je. Schaue bloß zu, in meinem eigenen Leben. Sitze auf der Tribüne und feuere mich an, oder buhe mich aus. Ich schaue bloß zu. Eine Außenstehende. Eine Beobachterin. Ich verstehe mich nicht. Verstehe mein Herz nicht, verstehe meinen Willen nicht. Ich verstehe mich nicht.
Sind das die Phasen im Leben, in denen man merkt, dass man sich doch noch nicht gänzlich selbst gefunden hat? Phasen, in denen einem bewusst wird, wie viele Seiten des Inneren noch unentdeckt sind? Ein Feuer, das bloß lodert, nicht entfacht wurde. Doch dafür braucht es im Grunde bloß einen kleinen Funken, bis alles Feuer fängt, in Flammen aufgeht.
In diesen Phasen bin ich mir ferner denn je und betrachte mein Leben wie einen schlechten Film. Habe keinerlei Halt, bloß Angst, noch tiefer zu fallen.


Was hilft, ist die Gewissheit, dass ich zumindest einen kleinen Teil von mir bereits kenne. Und dass es eigentlich ganz spannend sein kann, sich selbst besser kennen zu lernen. Vielfalt. Etwas, was ich liebe.

Und wenn es ganz schlimm ist, stelle ich mir meinen Wecker. 05:35. Er reißt mich aus dem Schlaf, führt mich nach draußen in die Kälte. Raus ans Meer. Dem Sonnenaufgang entgegen. Ein neuer Tag. Ein neuer Anfang. Ein neues Ich.

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