August 27, 2016

{Rezension} "Solange die Nachtigall singt" von Antonia Michaelis

"Der kleine Platz davor war leer, doch nicht weit entfernt wippten Zweige, dort, wo der Wald begann wie das grüne Ufer eines Meeres. Das Haus, dachte Jari, steht darin wie eine Insel, und ich bin auf dieser Insel gestrandet; ein Schiffbrüchiger in Wellen aus davongleitender Zeit, sicher und gefangen zugleich."

Kurze Info


Solange die Nachtigall singt
Antonia Michaelis
448 Seiten
Gebundene Ausgabe
2013 erschienen bei Oetinger 

Zum Inhalt


Ein Wald, der im Nebel ein Rätsel verbirgt. Ein Wanderer, der sich verirrt. Eine Geschichte, die dem Leser den Atem raubt. Nach Abschluss seiner Tischlerlehre begibt sich Jari auf Wanderschaft, um Freiheit und Natur zu genießen. Dabei trifft er auf Jascha, das bezauberndste Mädchen, dem er je begegnet ist, und folgt ihr zu ihrer Enklave mitten im Wald. Gefangen zwischen märchenhafter Schönheit und menschlichen Abgründen wird der harmlose Tischler zum unerbittlichen Jäger. Poetisch und fesselnd erzählt Erfolgsautorin Antonia Michaelis die Geschichte einer Liebe, der kein Geheimnis zu düster und kein Opfer zu groß ist. Das Meisterwerk einer Märchenerzählerin.

Meine Meinung


Nachdem dies mein dritter Roman von Antonia Michaelis war, bin ich inzwischen zu einem richtigen Fan dieser Autorin geworden. Denn sie schafft es immer wieder, den Leser mit ihren poetischen Worten, den verwirrenden und geheimnisvollen Handlungssträngen zu verzaubern und mitzureißen.
Aber beginnen wir von vorne.

Etwas, was Antonia Michaelis definitiv ausmacht, ist ihre Art zu schreiben. Denn in fast all ihren Büchern ist es so, dass es zwei Handlungsstränge gibt. Zwei Geschichten in einem Buch, die zu Beginn scheinbar nichts miteinander zu tun haben, jedoch von Kapitel zu Kapitel immer mehr zusammenfließen. Und auf einmal, macht all das, was während dem Lesen vor dem inneren Auge passiert, einen Sinn. Das letzte Puzzelstück wird bei Antonia Michaelis immer erst am Schluss gesetzt und erst dann sieht man als Leser das Gesamtbild.
Und das gefällt mir unheimlich gut.

Ebenso wie Michaelis Schreibstil, der sehr besonders ist. Man hat das Gefühl, ein Gedicht zu lesen. Ein Gedicht auf über 400 Seiten. Denn sie spielt mit den Worten, spielt mit dem Leser. Lässt ihn absichtlich stutzen, verwirrt ihn und schafft Bilder in seinem Kopf, die beladener nicht sein könnten. Sie ist die Meisterin der Beschreibungen und ließ mich das eine oder andere Mal voller Staunen ausatmen.
Allerdings wurde mir genau das im Laufe des Romans zum Verhängnis, denn durch die vielen Beschreibungen wurde "Solange die Nachtigall singt" doch ziemlich langatmig und es gab Stellen, die man in meinem Augen besser gekürzt hätte, um den Lesefluss nicht so zu stören.

Die Handlung des Romans, über die ich nichts verraten möchte, hat mir jedoch sehr gut gefallen. Sie war mitreißend und so ganz anders, als alles, was ich bisher gelesen habe. Auch wenn ich mit dem Protagonisten Jari so meine Probleme hatte, zog die Handlung mich immer weiter über Worte und Sätze und ließ mich auch nach dem Ende, mit dem ich in der Art so gar nicht rechnete, aber sehr begeistert davon bin, nicht los.


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