August 09, 2016

{Kolumne} Wem wollen wir etwas beweisen?

Der Druck auf unseren Schultern ist groß. Vielleicht nicht unbedingt größer als der auf den Schultern anderer Generationen. Nicht, dass wir uns beschweren wollen, ganz im Gegenteil. Wir sind froh um all die Wege und Möglichkeiten, schlängeln uns so durch die Pfade der Welt. 

Und doch leiden wir unter dem Druck, den wir uns selbst machen. Denn der Druck auf unseren Schultern ist groß. Und er stammt einzig und allein von uns selbst. Wir setzen uns unter Druck. Gegenseitig und jeder für sich. Denn wir wollen perfekt sein, besser als die anderen. Wir wollen etwas Besonderes sein. Sind manchmal so überzeugt von diesem Gedanken, dass wir nicht merken, dass wir eigentlich so sind, wie die zig anderen unserer Generation.
Wir sind nichts Besonderes, heben uns nicht von der Masse ab. Und doch versuchen wir es Tag für Tag. Wollen uns beweisen. Hervorstechen und auffallen.

Trinken auf der Party auch noch den nächsten Tequila mit, obwohl wir genau wissen, dass dieser eine Shot uns zu Kopf steigen wird, obwohl wir ihn gar nicht mögen. Und um besonders cool zu sein, verzichten wir auf Salz und Zitrone, sondern wählen freiwillig den Absturz. 
Das Gute daran? Am nächsten Tag wird jeder über uns reden - und war es nicht das, was wir wollten?

Trotz Erkältung quälen wir uns auf den Sportplatz, laufen unsere Runden, bis wir jeden einzelnen Muskel spüren. Warum? Weil wir beweisen wollen, dass ein bisschen Husten uns nicht ans Bett fesselt, weil wir zeigen wollen, wie sportlich und fit wir sind.

Wir lachen über Witze, die wir gar nicht lustig finden, verfolgen einen Trend, der uns absurd vor kommt. Warum? Weil jeder es tut. Weil wir den anderen beweisen wollen, dass wir genauso cool sind. Weil wir dazu gehören wollen.

Denn im Grunde läuft es immer auf das ein und selbe hinaus: Wir wollen dazu gehören, und gleichzeitig herausstechen.

Wie das vereinbar ist? Das müssen wir erst noch lernen. Doch eines weiß ich auch jetzt schon, beweisen, muss ich niemandem etwas. Weder den anderen, noch mir.

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