Juli 18, 2016

{Kolumne} Melancholische Traumtänzer

Generation Y - Eine Generation, der alle Türen offen stehen, die die Arbeitswelt auf den Kopf stellt, die Welt kritisch betrachtet und sich selbst als besonders ansieht.
Doch warum sind dann viele von uns so traurig? Gefangen, in der Melancholie, die eine ganze Generation zu befallen scheint?


Beginnen sollten wir vielleicht bei dem Begriff selbst - Generation Y. Das Y steht für das englische Wort Why, stellt also die Frage nach dem Warum? Diese offene Frage ist ein Symbol für die Unsicherheit unserer Generation, die nicht wirklich charakterisiert werden kann. Hierbei handelt es sich um eine Generation voll Ungewissheit, um eine Generation voller Möglichkeiten.
Und vielleicht liegt genau darin unser Problem - in all den Möglichkeiten.

Manch einer wird diesen Punkt als Luxusproblem bezeichnen, unsere Großeltern schütteln vermutlich die Köpfe, darüber, wie wir in diesem Zeitalter so traurig sein können, wo wir doch keine wirklichen Probleme kennen.
Das mag sein, viele von uns wissen vermutlich wirklich nicht, wie schwere Zeiten aussehen. Und auch die großen Entscheidungen mussten wir bisher eher selten fällen.
Und trotzdem, obwohl wir so vieles haben, wir jung, wild und bunt sind, sind wir auch traurig. 
Begleitet von dieser sanftmütigen Melancholie, die uns immer wenige Meter von der Ziellinie zurückhält.

Eine Generation, die unter dem Hagel der Kritik zu ersticken scheint, oft als langweilig, narzisstisch, unentschlossen und schwach betitelt wird. 
Und das macht es nicht besser. Der Druck steigt von Minute zu Minute. Als ob wir uns tief unter Wasser befinden würden, das Rauschen in den Ohren, Unmengen von Wassermassen um uns. Und oben, gen Himmel schimmert das Meer heller, die Oberfläche lässt sich erahnen. Wir kämpfen, schlagen mit den Beinen und schwimmen doch gegen den Strom. Und wir wissen, ankommen können wir nie.

Der Druck, der auf unseren Schultern lastet, ist enorm. Aussagen wie "Dir stehen alle Türen offen", "Du hast so viele Möglichkeiten" oder "Du kannst die ganze Welt bereisen" sind unsere täglichen Begleiter, Träume und Erwartungen unsere Kleidung. Stimmt, wir haben unfassbar viele Möglichkeiten. Fast schon zu viele, so dass sie uns förmlich erschlagen. Und hier liegt das Problem - wir können uns nicht entscheiden, bei so vielen Abzweigungen. Hinken bereits zerbrochenen Träumen hinterher und kommen doch nicht an der Ziellinie an. 
Ja, wir sind jung, wild und bunt. Wir sind aber auch traurig. In einer Identitätskrise gefangen, unglücklich und überfordert von all den Möglichkeiten. Wir halten uns für etwas besonderes und sind es doch nicht. Versuchen das Bild unseres perfekten Lebens durch Social Media aufrecht zu erhalten und merken dabei nicht, wie kaputt wir eigentlich sind. Wie wenig wir tun, weil wir alten Träumen hinterher tanzen. 



Wir sind melancholische Traumtänzer, die jeden Moment stürzen könnten.
Doch wer kann uns dann auffangen? 
Eigentlich bloß wir selbst, indem wir uns von den Erwartungen lösen, unsere eigene Generation starten, fern ab von Druck und zersplitterten Träumen.
Ja, eine Generation, die sich loslöst. Die Flügel ausbreitet und ihr Leben selbst in die Hand nimmt.

Kommentare :

  1. Am liebsten würde ich dich für diesen Post knuddeln. Danke für diese wahren Worte ♥

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    1. Oh wie lieb von dir. <3 Ich hatte dieses Mal wirklich etwas Angst, den Beitrag online zu stellen, umso mehr freut es mich, dass er dir gefällt.

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  2. WOW, ich weiß gerade echt nicht was ich sagen soll meine liebe Franzi! <3
    Du könntest wirklich mal bei einem Open Mic oder einem Poetry Slam mitmachen - ich LIEBE deinen Schreibstil einfach! Und deinen Mut für deine ehrlichen Worte!

    Dein Text ist genial und unheimlich wahr - danke dir für diesen Post liebste Franzi! :-) <3

    Ich umarme dich aus der Ferne, alles Liebe,
    Hannah
    <3

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    1. Jetzt bin ich die, die nicht weiß, was sie sagen soll, bei deinen lieben, herzlichen Worten.
      Ich danke dir von Herzen für dieses tolle Kommentar. Ich habe mich so darüber gefreut, bin gerade ziemlich gerührt. <3

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  3. sehr sehr wahrer text. und echt gut geschrieben!
    ich lese deine texte immer echt gerne und auch immer bis zum ende, was sonst manchmal in der hektik des alltags bei anderen nicht passiert.

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    1. Das positive Feedback freut mich wirklich sehr. :) Vielen, vielen Dank. Es bedeutet mir sehr viel, dass du sie bis zum Schluss ließt, denn wie oft tut man das bei (so langen) Blogartikeln nicht.

      Liebste Grüße und noch einmal Danke,
      Franzi

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