März 22, 2016

{Rezension} 4 livres - Prix des lycéens allemands 2016

Im Rahmen des "Prix des Lycéens allemands" habe ich im Laufe des letzten Jahres und Anfang diesen Jahres vier französische (Jugend-) Romane gelesen, die allesamt etwas ganz Besonderes sind. Von Alzheimer bis hin zu einem Kindersoldaten war alles dabei. 
Spannung, Emotionen und ein Stück französische Kultur.



"Après la vague" d'Orianne Charpentier


Es ist ein schöner Tag an der Terrasse des Hotels. Die Familie sitzt zusammen am Tisch. Sie plant, einen Tempel zu besichtigen. Aber mit diesem türkisblauen Meer… hat Maxime gar keine Lust. Er bleibt gemütlich sitzen und genießt den Sandstrand mit Jade, seiner Zwillingsschwester. Wenige Minuten später schwillt eine Welle an. Eine Welle, die immer größer wird. Eine Welle, die alles verschlingt. Auf ihrer überstürzten Flucht lässt Jade die Hand ihres Bruders los. Max bleiben keine Worte, Keine Tränen, keine Gegenwart, keine Zukunft. Wird er dieses Drama überleben? 

Ein Roman, der unter die Haut geht. 

"Après la vague" handelt von Verlust, Trauerverarbeitung und dem schlimmen Tsunami 2004. Orianne Charpentier berührt ihre Leser mit einer Vielfalt und einem eher ungewöhnlichen Umgang mit Verlust. Und überallem schwebt die Metapher der Welle, die so viel mehr zu bedeuten scheint.


"Au monis un" d' Irène Cohen-Janca


Erster Tag im Call-Center. Folgsam und resigniert lernt Marie die Regeln des Telemarketings im Open-Space: Positive Formulierungen, ruhiges Verhalten unter allen Umständen, ,,ein Lächeln, das man hört“ wie ihr Vorgesetzter sagt. Aber wenn man von ihr verlangt, dass sie ihren Namen auf Sonia ändert, merkt Marie, dass sie im Begriff ist, sich selbst zu vergessen. Bis zu dem Tag, an dem sie Frau ,,Au Moins un“ wieder begegnet, einer Französischlehrerin, die ihren Schülern empfahl mindestens ein Gedicht auswendig zu lernen: Ein Gedicht für sich, wie ein Unterschlupf, in den man flüchten kann, wo und wann auch immer. Marie erinnert sich wieder an das Gedicht, das sie als ein Selbstporträt gelernt hatte, ,,Marie“ von Guillaume Apollinaire. Das war der Auslöser. Marie wehrt sich gegen diese Berufsausbilderin mit voluminöser Föhnfrisur, die sie erstickt, gegen ihren Freund Mickaël, der möchte, dass sie ein bisschen mehr ,,wie die anderen“ ist und sie betrügt, und gegen ihre Mutter, die möchte, dass sie denkt wie sie. Marie will Frisörin werden. Und jetzt weigert sie sich, auf ihre Träume zu verzichten. 

Ein Roman, der den Alltagstrott verlässt und jeden Leser nach seinem einen Gedicht suchen lässt.

Cohen-Janca übermittelt eine Botschaft, die wichtiger nicht sein könnte: Lebe deinen Traum. 
Und eben diese schöne Moral lässt den Leser innehalten, über das eigene Leben nachdenken. 
Zog sich das Buch stellenweise auch etwas, ließ es den Leser am Ende doch nachdenklich zurück, mit dem Gedanken, welches Gedicht wohl das seine ist.


"Ce chaier est pur toi" de Valérie Dayre


Granninouchka schreibt Gaspard, ihrem Enkelsohn, um ihm zu erklären, was ihr gerade passiert ist. Ein komisches, unangenehmes Abenteuer, das sie trotzdem versucht, mit Humor zu nehmen. Ein Abenteuer, das noch komischer wird, als sie einen kleinen Pavillon hinten im Park des Pflegeheims, wo sie (eingesperrt?) ist, entdeckt, in dem ein Kind lebt. Ein Kind? Oder einer Familie? … Gespenster? Sie weiß es nicht, sie weiß es nicht mehr. Das eben ist vielleicht das Problem: Verliert sie den Verstand?  

Ein Roman, der uns lernt, Alzheimer besser zu verstehen.

Dayre könnte ihre Leser nicht mehr verwirren, als mit "Ce chaier est pour toi". Gemeinsam mit Granninochka versucht man, zwischen Realität und Einbildung zu unterscheiden, sich in dem doch sehr hohen (und eher umgangssprachlichen) Sprachniveau zurecht zu finden. Doch eben dies verdeutlicht, wie ein Mensch, der unter Allzheimer leidet, sich fühlen, bzw. denken muss. 
Auch wenn der Roman eher zu einer älteren Zielgruppe passt, brachte es uns junge Menschen den Betroffenen ein Stück näher, brachte Verständnis und Mitgefühl.


"Une arme dans la tête" de Claire Mazard


Ein junger afrikanischer Teenager lebt in einem Jugendheim in der Nähe von Paris. Als ehemaliger Kindersoldat wurde er von einer Privatarmee in seinem Land manipuliert und unter Drogen gesetzt. Heute versucht er, diese Jahre in ständiger, äußerster Gewalt zu vergessen und sein Leben neu aufzubauen. 
(Quelle)

Eine Hymne ans Leben. Ein Roman, der im Gedächtnis bleibt.

Claire Mazard hat mich mit ihrem Buch zutiefst berührt. Ein Charakter, der nicht nur komplex ist, sondern mit dem man sich auch identifizieren kann. Ein Leben mit einem schweren Trauma, eine Vergangenheit, die man sich kaum vorstellen kann. Und trotz all dem versucht Appollinaire seinen Weg zurück ins Leben zu finden.

"Parce-que c'est une arme dans la tête!"  Das Gewinnerbuch 2016.



Kommentare :

  1. ein echt interessanter post! vielleicht sollte ich mir mal eins davon kaufen um mein französisch "wach" zu halten, so nach der schule wendet man es kaum noch an und es wäre schade, wenn es ganz einschläft. vorallem das buch "Au monis un" d' Irène Cohen-Janca hat mich echt angesprochen :)

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    1. Dankeschön. :-) Es freut mich sehr, dass er dir gefällt. Stimmt, das ist eine super Methode, um die Sprache "wach" zu halten.
      Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Lesen.

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