März 23, 2015

(Rezension) "Alles, was wir geben mussten" von Kazuo Ishiguro


Kurze Info

Alles, was wir geben mussten
Kazuo Ishiguro
352 Seiten
Taschenbuch  beim Karl Blessing Verlag
Einzelband
9,99 Euro

Zum Inhalt

Ein Speisesaal, ein Sportplatz und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so freundlich und engagiert sie auch sind, heißen hier »Wächter« und lassen die Kinder früh spüren, dass ihnen ein besonderes Schicksal auferlegt worden ist. Diese Gewissheit verbindet Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe – bis für zwei von ihnen das Ende naht.
Ein anrührendes und ungewöhnlich spannendes Meisterwerk über Menschen, deren Leben auf beklemmende Weise vorherbestimmt ist.

(Quelle: Amazon)

Meine Meinung

Es gibt Bücher, bei denen ist man sich von Anfang an sicher, dass sie einem gefallen. "Alles, was wir geben mussten" war so eins. Ich hatte wirklich hohe Erwartungen an den Roman und wurde zum Glück auch nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil.

Ein Internat für Jungen und Mädchen. Alles läuft kultiviert und ordentlich ab, die Kinder halten sich an die Regeln, widersprechen nicht, fragen nicht nach. 
Schüler von Halisham sind etwas besonderes heißt es schon früh. In der Tat, sie sind etwas besonderes. Doch wirklich zu wissen, was den so speziell an ihnen ist, scheinen die Kinder nicht.

Gemeinsam mit den drei Freunden Kathy, Ruth und Tommy wächst man als Leser in Halisham auf, fragt sich das ein oder andere Mal wofür manch seltsame Regeln eigentlich gut sind, wieso zum Besipeil niemand über die Grenze treten darf.
Erst als die drei langsam erwachsen werden, das Internat verlassen und in die sogenannten Cottages ziehen, wird dem Leser langsam bewusst, was hinter der Fassade Halishams vorgeht. 
Genau gesagt wird es nie und so ist immer nur diese schreckliche Vermutung da, bei der man hofft, falsch zu liegen.

"Alles, was wir geben mussten" glänzt nicht mit einer spektakulären, rasanten Handlung, sondern mit den leisen, unscheinbaren Andeutungen und Tönen. Erst wer das Buch nach der letzten Seiten zuklappt, wird sich der Größe und Tragweite des Romans aus dem Jahr 2005 bewusst. Und dann schlagen die Gefühle auf einen ein, wie eine riesige Welle bei Sturm.
Ohne laut zu werden beinhaltet Ishiguros Lektüre solch sonderbare, kostbare Themen, die sich als sehr bedeutend und  gefühlsgeladen herausstellen.

Der Autor braucht keinen perfekten Schreibstil, denn die Einfachheit und Überlegenheit seiner Worte reicht vollkommen aus. In Kombination mit andersartigen, aber sympathischen Charakteren gelingt es ihm, mit "Alles, was wir geben mussten" ein Meisterwerk zu schaffen.

Letzte Gedanken


"Alles, was wir geben mussten" von Kazu Ishiguro ist ein Meisterwerk der Unscheinbarkeit. Mit leisen Tönen und kleinen Andeutungen zieht es seine Leser in den Bann und lässt sie erst wieder los, wenn der letzte Satz von Kathys, Ruths und Tommys Geschichte gelesen ist. Die Größe diese Romans macht sich durch eine Gefühlsgewalt  beim Erkennen der Realität bemerkbar und versichert: Dieses Buch lässt nicht mehr los!


Viel Spaß beim Lesen,


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