September 24, 2018

Zwischen Donau und Bib - Philosophieren über das zweite Semester

Voller Motivation und bereit für den kommenden Sommer startete ich im April in mein zweites Semester an der Uni. Hinter mir lagen grandiose Semesterferien wie aus dem Bilderbuch: Die Seele baumeln lassen, viel Reisen und über Paris an die Nordsee ins Saarland bis hin in die Studienheimat Regensburg. Viele hatten mir bereits vorab geraten, mehr Veranstaltungen im Wintersemester zu belegen, um im Sommer Luft für anderes zu haben. Zum Glück habe ich diesen Rat befolgt, denn sobald es draußen 30 Grad sind und man auf Instagram die schönsten Urlaubsbilder sieht, schwindet die Motivation lernend in der zu stark klimatisierten Bibliothek zu sitzen von Minute zu Minute.
Da saß ich also. Im zweiten Semester, mit einem besseren Gefühl im Bauch. Denn ich wusste zumindest ungefähr, wie alles ablief. Kannte den Unterschied zwischen c.t. und s.t., musste nicht ewig nach dem einen Raum im Kellergeschoss suchen und erinnerte mich, welche Gerichte man in der Mensa eher meiden sollte. Ich fühlte mich erfahrener und konnte beruhigend lächeln, wenn ein Ersti verzweifelt versuchte, seine Mensakarte aufzuladen. Hach ja, dieses "Erfahren-Sein" war ein schönes Gefühl, doch spätestens als die erste Hausarbeit anstand, war es schnell wieder verschwunden...

Lebensretter und ersten Hausarbeit


Mein zweites Semester dauerte gerade einmal vier Monate an und so war kaum Zeit, sich in irgendetwas hinein zu finden. Umso dankbarer war ich für alt bekannte Strukturen. Neben Referaten, Essays und diversen Klausuren verbrachte ich diesmal mehr Zeit in der Bibliothek als im letzten Semester. Ich merkte schnell, dass es für mich gerade während der schönen Sommerzeit besser ist, in der Bib zu lernen, umgeben von Leidensgenossen, um zum einen nicht ständig an das tolle Wetter und all die möglichen Ablenkungen (Donau!) erinnert zu werden und zum anderen die Prüfungsangst im Zaum zu halten. Denn Lebens- und Lernraum zu trennen wirkte da wahre Wunder! Im Sommer saß ich dann an meiner ersten Hausarbeit. Weil ich meine Wohnung zu diesem Zeitpunkt schon gekündigt hatte, war es eine kleine Herausforderung, nicht an der eigenen Uni schreiben zu können, aber auch das war machbar und das Gefühl, die Hausarbeit endlich abgegeben zu haben, war unbeschreiblich.


Kurze Findungskrise und Besuch von Franzosen


Interdisziplinär studieren: Alles studieren, aber nichts wirklich? Zu dieser Frage musste ich in der Bewerbungsphase für meinen Studiengang einen Aufsatz schreiben. Als ich mich bewarb, war mir klar, was Interdisziplinarität im Studium heißt. Ich wusste die Vorteile zu schätzen und lernte erst im Semester selbst die Schattenseiten kennen. Denn wenn man in einer Politikvorlesung sitzt, aber keine Politikwissenschaft studiert, können einem manche Steine in den Weg gelegt werden. So übermahnte mich zwischendurch manch eine Krise, in der ich mich fragte, was ich eigentlich nachhaltig aus meinem Studium lerne - und ich war nicht die Einzige. Doch letztlich stellten wir alle fest, dass es sich lohnt. Und das interdisziplinär weder gut noch schlecht sein muss.
Den wunderbaren Vorteil unseres Studiengangs lernte wir dann in einer Woche im Mai kennen. Denn hier kamen unsere französischen Kommilitionen und Tandempartner zu Besuch, wohnten eine Woche bei uns und lernten ihre zukünftige Uni kennen. Meine Tandempartnerin ist ein ganz wunderbarer Mensch und so verbrachten wir tolle Tage zusammen, sprachen unentwegt in der Sprache des anderen und steigerten die Vorfreude auf die gemeinsamen Auslandsjahre.

Nebenjobs


Während dem zweiten Semester hatte ich gleich zwei Nebenjobs: Beim ersten durfte ich für einige Tage auf einem Festival arbeiten. Auch wenn die bayrische Blasmusik und österreichische Bands, die im Dialekt sangen, nicht unbedingt meinen Geschmack trafen, war es eine lustige Zeit. Und auch der zweite Nebenjob in einem Freibad war meist lustig und brachte eine schöne Abwechslung zum Unialltag. Bloß in der Klausurenphase wurde etwas stressig. Unterschied zum ersten Semester? Die Klausuren kamen mir weniger angsteinflößend vor. Und wer weiß, vielleicht bin ich am Ende meines Bachelors an dem Punkt angekommen, dass mir der reine Gedanke an die Prüfungsklausur keine schlaflosen Nächte und panische Schnappatmungen mehr bereitet.

Ganz viel Donauliebe und lange Sommernächte


Neben all dem bunten Unitreiben habe ich dieses zweite Semester vor allem eines getan: das Leben genossen. Wie viele Abende verbrachten wir barfuß auf einem der belebten Plätze in der Innenstadt? Mit Radler, guter Musik und lachenden Menschen. Man hatte das Gefühl, sämtliche Bars seien ausgestorben und das Nachtleben spielte sich nur auf den Plätzen und in den engen Gassen Regensburgs ab. Unzählige Male grillten wir auch an der Donau oder sprangen nach langen Bib-Tagen ins kühle Nass.  Regensburg im Sommer ist einfach traumhaft schön! Momente, die mir immer in Erinnerung bleiben werden. Und unserer Lieblingseisdiele werden wir wohl auch in Erinnerung bleiben, so viel Geld wir bei ihr gelassen haben. :D

Resümee des zweiten Semesters


Wunderbar war's! Kurz war's! Viel zu schnell ging die Uni vorbei, der Sommer schien stellenweise unendlich und doch zogen die wenigen Monate in der sommerlichen Stadt unfassbar schnell vorbei. Jeden Moment haben wir ausgekostet, wohlwissend, dass wir für ein Jahr Adieu sagen müssen. Jedoch nie vergessend, dass es nach einem Jahr Frankreich ein Wiedersehen geben wird. 

Liebes zweite Semester, du warst sehr gut zu mir. Doch jetzt geht es auf zu neuen Wegen!


Juni 28, 2018

{Poetry} Liebeswegesrandende


Sie saßen am Wegesrand. Auf dem Bordstein, dort, wo die Pflastersteine aufhörten und der schmale Grad für zu viele Tränen begann. Am Wegesrand, wo der Wind aufwehte und es nach Sommerabend roch.
Der Krankenwagen war bereits davon gefahren, das Blau durchbrach die Nacht nur noch schwach.
So saßen sie beisammen, Seite an Seite, während die anderen ihre Sachen bereits zusammengepackt hatten und sich auf den Heimweg machten. Nach feiern war niemandem mehr zumute. Auch denen am Wegesrand nicht.
Dennoch blieben sie sitzen.
Schwiegen.
Er hielt sich ein Taschentuch unter die Nase, welches das Blut aufsaugte. Hatte den Kopf nicht mehr in den Nacken gelegt. Den Blick nach unten gerichtet, auf das Rinnsal vor ihnen, obwohl er genau wusste, dass sein Nasenbluten dadurch bloß schlimmer wurde. Doch was hieß schon schlimmer?

„Du hättest mit ihnen fahren sollen.“

Mehr sagte sich nicht. Ein stiller Vorwurf. Ein Stich in die Brust. Obwohl es dunkel war, konnte er ihren Blick spüren. Sah auf, sah sie an. Die hohen Schuhe, die er noch nie an ihr gemocht hatte, lagen im Rinnsal. Der silberne Nagellack glitzerte ihm selbst in tiefster Nacht von ihren Zehen entgegen.
Das Kleid war hoch gerutscht, gab so viel von ihren schmalen Beinen preis. Wäre ein anderer bei ihnen gewesen, hätte er sie in den Arm genommen. Um zu zeigen, dass sie zu ihm gehörte. Doch jetzt, wo sie alleine waren, wagte er es nicht.

Er wusste, dass sie weinte. Und traute sich doch nicht, sie zu trösten. Zu hoch war das Risiko, dass sie ihn von sich stieß. Zu viel hatte er heute Nacht kaputt gemacht.

„Warum?“, schluchzte sie.

Warum musste sie es ihm jedes Mal zum Vorwurf machen? Warum merkte sie nicht, dass er diese Frage nicht mehr hören konnte? Dass sie ihn zerfraß, innerlich zerriss und ihre Beziehung zerstörte?
Beziehung – da floss sie dahin am Wegesrand vermischt mit Blut.
Hätte sie auch nur einmal eine andere Frage gestellt, hätte er geantwortet.
Hätte gesagt, warum er es tat.
Nicht um zu vergessen, wie sie glaubte. Um zu spüren, dass er noch immer lebte. Und egal was er tat, das Blut durch seine Adern floss.
Doch danach fragte sie nie.

„Ich kann das nicht mehr.“

Ebenso wie ihre Liebe am Wegesrand lag, lag auch sein Herz dort. Sein Stolz und sein Wille.
Wären sie nicht alleine gewesen, hätte er um sie gekämpft. Aus ihren Selbstgesprächen und Gedanken wären echte Worte geworden und er hätte ihr geantwortet.

Doch so floss das Blut vermischt mit Liebe am Bordstein entlang.

Liebeswegesrandende.

Mai 06, 2018

März & April 2 0 1 8

Diese zwei Monate sind mit meine liebsten im Jahr, denn in den meisten Fällen kommt er dann leise an, der Frühling. Auch wenn im März noch der ein oder andere Schnee fiel, begrüßte mich der Frühling spätestens im April mit strahlendem Sonnenschein und blühenden Krischbäumen.


Glücksmomente

Den Großteil meiner Semesterferien verbrachte ich Zuhause, weshalb meine Glücksmomente sich rund um Mamas leckeren selbstgebackenen Kuchen, unseren Garten, den Wald, die Abende mit meiner Familie, die Besuche bei den Großeltern und das nächtliche Quatschen mit Freunden drehen.

Anfang März hatte ich Geburtstag und feierte diesen mit meinen Schulfreunden. Es war so schön, all diese tollen Menschen wieder an einem Fleck zu haben, denn mittlerweile sehen wir uns so selten in dieser Konstellation. Umso glücklicher war ich am Abend meines Geburtstages.
Auch die Post, die dann immer eintrudelt, macht mich jedes Mal so glücklich und dankbar, für die Menschen, die mir so nahestehen.

Ende März ging es dann für zwei Wochen auf Reisen:
Zuerst war ich mit zwei Freundinnen, die mit mir in Regensburg studieren, in Paris. Hier verbrachten wir vier wundervolle Tage, aßen Croissantes und tranken zu viel Wein, schlenderten durch die Straßen und wendeten das Gelernte der Uni endlich wieder live an. Paris hat mein Herz, immer wieder und ich bin mir sicher, dass ich in meinem kommenden Auslandsjahr in Frankreich noch ein paar Mal dort sein werde. Mehr über Paris könnt ihr hier lesen.

Die zweite Reise ging mit meiner Mama an die Nordsee, auf die ostfriesische Insel Borkum. Jedes Mal, wenn wir hier sind, laufen uns die Tränen vor Glück über die Wangen. Das tosende Meer, der Geruch von Salzwasser, die nach und nach wieder belebten Strandzelte. Hach, Borkum ist auch nach dem fünften Besuch noch wunderschön und der erholsamste Ort der Welt. Ganz viele Bilder zu Borkum gibt's hier.

Im April fuhr ich zu Semesterbeginn zurück nach Bayern, hatte eine liebe Freundin im Gepäck und bekam im Laufe des Monats noch einmal Besuch

Gemeinsam saßen wir bereits jetzt unzählige Abende an der Donau oder auf einem der vielen Plätze in der Altstadt. Genossen das herrliche Wetter, drehten einen Kurzfilm, waren zu Besuch auf einem Schloss und hielten die erste Referate.
Das zweite Semester startete voll und etwas chaotisch und brachte dennoch so viele Glücksmomente mit sich. Immer wieder die gemeinsame Zeit genießen, atmen, den Frühling (bzw. Sommer bei 30 Grad) festhalten wollen. Ewig Fahrrad fahren, eine Wanderung im Umland machen, die künftige Mitbewohnerin in Frankreich kennenlernen. Lachen. Sonnenbrand bekommen. Zusammen kochen und Tatort schauen. Wieder voll im Studentenleben sein.


Gehört

Joris - Signal
Jason Mraz - Have It All
Mogli - Album Wanderer
Alanis Morissette - Ironic
Vianney - Album Vianney (vor allem: Moi aimer Toi)


Gelesen

"Schnell, dein Leben" - Sylvie Schenk
"Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken" - John Green
"Der große Trip: 1000 Meilen zu mir selbst" - Cheryl Strayed
"Ein ganz neues Leben" - Jojo Moyes

Ein paar ausführliche Worte hierzu gibt's in diesem Post.


Gesehen

Die Netfilx-Serie "Dark". Gefiel mir richtig gut.


Ich wünsche euch einen schönen sonnigen Mai.

April 28, 2018

Madeira: Ponta de São Lourenço

Auch wenn momentan der Sommer nach Bayern gekommen ist, sehne ich mich gedanklich nach dem nächsten Reiseabenteuer. Sich in dieser Zeit an Madeira zurückzuerinnern scheint mir also keine schlechte Option. Weiter geht es mit Tag Drei unserer Reise.


Karge Landschaft. Zerklüftete Felsen. Der Wind zog an unseren Kleidern und schien es zu Beginn unter den Palmen noch richtig warm zu sein, spürte man auf den Bergen die kühle Luft, die von Osten her wehte. Der Ponta de São Lourenço begrüßte uns in seiner vollen Pracht. Über uns die lustigstens Vogelarten, hier und da eine Möwen, die ihre Kreise zog. Während wir den schmalen Weg entlang wanderten, bot sich uns ein Blick auf die vor uns liegende Halbinsel, bedeckt von saftigem Grün und dunklem Fels, an dem die Zungen des Meeres leckten.
Über roten Stein ging es hinauf und hinunter, um schmale Kurven. Hier fühlte es sich an, als befände man sich nicht mehr auf der bunten Blumeninsel, sondern in einer ganz anderen Welt. Die vertrockneten Blumen hatten etwas raues an sich, ebenso wie das Klima. Erst als wir
an der Spitze der Halbinsel ankamen, die weit ins Wasser reichte, hatte ich das Gefühl, die gesamte Pracht dieses wundersamen Ortes zu spüren. Sprachloses Staunen. Und einige Glückstränen, die sich mit dem aufkommenden Regen vermischten. 
Auf dem Rückweg der 8 km weiten Wanderung holte uns die nasse Luft ein und bis wir am Mietwagen waren, klebten unsere Kleider nass an unseren Körpern. Erst jetzt spürte man in Gänzen die raue Schönheit des Ponta de São Lourenço.

Ich glaube, an den Bildern erkennt man sehr gut, wie schnell das Wetter auf Madeira wechseln kann. Diesen Wechsel verzeiht ihr mir hoffentlich. Aber dazu in den nächsten Beiträgen mehr.

01.08.2017 | Ponta de São Lourenço, Madeira, Portugal
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