Januar 20, 2019

Marseilles Charme

Wenn ich die Fotos dieses Beitrags so ansehe, bekomme ich sofort wieder Lust, ans Meer zu fahren. Die frische Luft, das Kreischen der Möwen und das mediterrane Feeling einer Stadt, die ihrem doch eher schlechten Ruf so gar nicht gerecht wird. Umso besser, dass die nächste Reise ans Meer - nach Bordeaux - bereits gebucht ist.

Da war er also, der letzte Stopp unserer kleinen Reise entlang der Côte d'Azur. Nach dem kurzen Abstecher fort vom Meer in die hübschen Gassen von Aix-en-Provences war es umso schöner, wieder ans Meer zurück zu kommen. So bezogen wir abends unser Airbnb bei einer wundervollen Französin, bevor wir uns auf den Weg Richtung Hafen machten, um dort den Sonnenuntergang zu beobachten. Es war wunderschön, wie ruhig das Wasser da lag. Dank des nahenden Winters war es in der Stadt auch nicht zu voll und wir konnten unsere letzten Tage hier voll und ganz genießen. Ein schöner Absacker in einer Bar, bevor wir müde in die Betten fielen.


Zufällig waren weitere Freunde von uns auch in Marseille unterwegs und so machten wir uns am ersten Tag gleich gemeinsam auf denWeg zur Notre-Dame de la Garde, die auf einem Hügel liegt, von dem aus man eine wunderschöne Sicht auf die Stadt hat. Nach einem kurzen Stopp am Hafen, am Wasser sitzen und Pommes essen, während immer mal wieder eine Möwe angefolgen kam, um auch etwas zu naschen, schlenderten wir weiter durch die Stadt und ließen uns einfach treiben. Abends veranstaltenen wir ein kleines Picknick am Vieux Port, was bei dem Wetter vielleicht nicht die beste, aber dafür eine lustige Idee war.

An unserem letzten Tag in Marseille erkundeten wir zu dritt das Viertel Le Panier und verloren uns in den Gassen der ältesten Stadt Frankreichs. Danach verbrachten wir viel Zeit in der Festung Saint Jean, entdeckten die dortige Umgebung, bevor der Hunger uns zurück ins Panier trieb, wo wir bei Sonnenschein auf einer der vielen Terrassen saßen und Panisses, eine Art Kichererbsenfritten, aßen.

Gerade der locker lässige Flair Marseilles überraschte mich sehr, hört man doch meist nur etwas von einer dreckigen, gefährlichen Großstadt. Doch das trübt. Uns hat Marseille mit seinem ganz eigenen Charme verzaubert und gerne komme ich wieder hierher, um auch die schöne Umgebung Mittelmeer-Metropole besser kennenzulernen.

Januar 11, 2019

Automne à Nice


 Hallo ihr Lieben!

Es war lange Zeit sehr ruhig hier und die Muse hatte mich wohl etwas verlassen. Ich weiß selbst noch nicht genau, wohin der Weg mich führen und ob es hier weiterhin Beiträge geben wird. Manchmal habe ich das Gefühl, etwas aus den Schuhen des Bloggens heraus gewachsen zu sein. Doch hinter mir liegen so viele schöne Augeblicke und Reisen seit im September mein Auslandsjahr in Frankreich begonnen hat, die ich im Grunde doch gerne mit euch teilen möchte. Deshalb hier ein kleiner Einblick in meine Herbstferien 2018. Momentan verbringen Freunde von mir ihr Auslandsjahr ebenfalls in Frankreich, in Nizza und so besuchte ich sie im Oktober für mehrere Tage, bis es gemeinsam weiter nach Aix-en-Provence und nach Marseille ging. Trotz eher regnerischem Wetter hatten wir eine wunderbare Zeit in Nizza. Ich war wirklich positiv überrascht von der Stadt an der Côte d'Azur und hatte nicht damit gerechnet, dass es mir dort so gut gefallen würde. Aber sehr selbst.



September 24, 2018

Zwischen Donau und Bib - Philosophieren über das zweite Semester

Voller Motivation und bereit für den kommenden Sommer startete ich im April in mein zweites Semester an der Uni. Hinter mir lagen grandiose Semesterferien wie aus dem Bilderbuch: Die Seele baumeln lassen, viel Reisen und über Paris an die Nordsee ins Saarland bis hin in die Studienheimat Regensburg. Viele hatten mir bereits vorab geraten, mehr Veranstaltungen im Wintersemester zu belegen, um im Sommer Luft für anderes zu haben. Zum Glück habe ich diesen Rat befolgt, denn sobald es draußen 30 Grad sind und man auf Instagram die schönsten Urlaubsbilder sieht, schwindet die Motivation lernend in der zu stark klimatisierten Bibliothek zu sitzen von Minute zu Minute.
Da saß ich also. Im zweiten Semester, mit einem besseren Gefühl im Bauch. Denn ich wusste zumindest ungefähr, wie alles ablief. Kannte den Unterschied zwischen c.t. und s.t., musste nicht ewig nach dem einen Raum im Kellergeschoss suchen und erinnerte mich, welche Gerichte man in der Mensa eher meiden sollte. Ich fühlte mich erfahrener und konnte beruhigend lächeln, wenn ein Ersti verzweifelt versuchte, seine Mensakarte aufzuladen. Hach ja, dieses "Erfahren-Sein" war ein schönes Gefühl, doch spätestens als die erste Hausarbeit anstand, war es schnell wieder verschwunden...

Lebensretter und ersten Hausarbeit


Mein zweites Semester dauerte gerade einmal vier Monate an und so war kaum Zeit, sich in irgendetwas hinein zu finden. Umso dankbarer war ich für alt bekannte Strukturen. Neben Referaten, Essays und diversen Klausuren verbrachte ich diesmal mehr Zeit in der Bibliothek als im letzten Semester. Ich merkte schnell, dass es für mich gerade während der schönen Sommerzeit besser ist, in der Bib zu lernen, umgeben von Leidensgenossen, um zum einen nicht ständig an das tolle Wetter und all die möglichen Ablenkungen (Donau!) erinnert zu werden und zum anderen die Prüfungsangst im Zaum zu halten. Denn Lebens- und Lernraum zu trennen wirkte da wahre Wunder! Im Sommer saß ich dann an meiner ersten Hausarbeit. Weil ich meine Wohnung zu diesem Zeitpunkt schon gekündigt hatte, war es eine kleine Herausforderung, nicht an der eigenen Uni schreiben zu können, aber auch das war machbar und das Gefühl, die Hausarbeit endlich abgegeben zu haben, war unbeschreiblich.


Kurze Findungskrise und Besuch von Franzosen


Interdisziplinär studieren: Alles studieren, aber nichts wirklich? Zu dieser Frage musste ich in der Bewerbungsphase für meinen Studiengang einen Aufsatz schreiben. Als ich mich bewarb, war mir klar, was Interdisziplinarität im Studium heißt. Ich wusste die Vorteile zu schätzen und lernte erst im Semester selbst die Schattenseiten kennen. Denn wenn man in einer Politikvorlesung sitzt, aber keine Politikwissenschaft studiert, können einem manche Steine in den Weg gelegt werden. So übermahnte mich zwischendurch manch eine Krise, in der ich mich fragte, was ich eigentlich nachhaltig aus meinem Studium lerne - und ich war nicht die Einzige. Doch letztlich stellten wir alle fest, dass es sich lohnt. Und das interdisziplinär weder gut noch schlecht sein muss.
Den wunderbaren Vorteil unseres Studiengangs lernte wir dann in einer Woche im Mai kennen. Denn hier kamen unsere französischen Kommilitionen und Tandempartner zu Besuch, wohnten eine Woche bei uns und lernten ihre zukünftige Uni kennen. Meine Tandempartnerin ist ein ganz wunderbarer Mensch und so verbrachten wir tolle Tage zusammen, sprachen unentwegt in der Sprache des anderen und steigerten die Vorfreude auf die gemeinsamen Auslandsjahre.

Nebenjobs


Während dem zweiten Semester hatte ich gleich zwei Nebenjobs: Beim ersten durfte ich für einige Tage auf einem Festival arbeiten. Auch wenn die bayrische Blasmusik und österreichische Bands, die im Dialekt sangen, nicht unbedingt meinen Geschmack trafen, war es eine lustige Zeit. Und auch der zweite Nebenjob in einem Freibad war meist lustig und brachte eine schöne Abwechslung zum Unialltag. Bloß in der Klausurenphase wurde etwas stressig. Unterschied zum ersten Semester? Die Klausuren kamen mir weniger angsteinflößend vor. Und wer weiß, vielleicht bin ich am Ende meines Bachelors an dem Punkt angekommen, dass mir der reine Gedanke an die Prüfungsklausur keine schlaflosen Nächte und panische Schnappatmungen mehr bereitet.

Ganz viel Donauliebe und lange Sommernächte


Neben all dem bunten Unitreiben habe ich dieses zweite Semester vor allem eines getan: das Leben genossen. Wie viele Abende verbrachten wir barfuß auf einem der belebten Plätze in der Innenstadt? Mit Radler, guter Musik und lachenden Menschen. Man hatte das Gefühl, sämtliche Bars seien ausgestorben und das Nachtleben spielte sich nur auf den Plätzen und in den engen Gassen Regensburgs ab. Unzählige Male grillten wir auch an der Donau oder sprangen nach langen Bib-Tagen ins kühle Nass.  Regensburg im Sommer ist einfach traumhaft schön! Momente, die mir immer in Erinnerung bleiben werden. Und unserer Lieblingseisdiele werden wir wohl auch in Erinnerung bleiben, so viel Geld wir bei ihr gelassen haben. :D

Resümee des zweiten Semesters


Wunderbar war's! Kurz war's! Viel zu schnell ging die Uni vorbei, der Sommer schien stellenweise unendlich und doch zogen die wenigen Monate in der sommerlichen Stadt unfassbar schnell vorbei. Jeden Moment haben wir ausgekostet, wohlwissend, dass wir für ein Jahr Adieu sagen müssen. Jedoch nie vergessend, dass es nach einem Jahr Frankreich ein Wiedersehen geben wird. 

Liebes zweite Semester, du warst sehr gut zu mir. Doch jetzt geht es auf zu neuen Wegen!


Juni 28, 2018

{Poetry} Liebeswegesrandende


Sie saßen am Wegesrand. Auf dem Bordstein, dort, wo die Pflastersteine aufhörten und der schmale Grad für zu viele Tränen begann. Am Wegesrand, wo der Wind aufwehte und es nach Sommerabend roch.
Der Krankenwagen war bereits davon gefahren, das Blau durchbrach die Nacht nur noch schwach.
So saßen sie beisammen, Seite an Seite, während die anderen ihre Sachen bereits zusammengepackt hatten und sich auf den Heimweg machten. Nach feiern war niemandem mehr zumute. Auch denen am Wegesrand nicht.
Dennoch blieben sie sitzen.
Schwiegen.
Er hielt sich ein Taschentuch unter die Nase, welches das Blut aufsaugte. Hatte den Kopf nicht mehr in den Nacken gelegt. Den Blick nach unten gerichtet, auf das Rinnsal vor ihnen, obwohl er genau wusste, dass sein Nasenbluten dadurch bloß schlimmer wurde. Doch was hieß schon schlimmer?

„Du hättest mit ihnen fahren sollen.“

Mehr sagte sich nicht. Ein stiller Vorwurf. Ein Stich in die Brust. Obwohl es dunkel war, konnte er ihren Blick spüren. Sah auf, sah sie an. Die hohen Schuhe, die er noch nie an ihr gemocht hatte, lagen im Rinnsal. Der silberne Nagellack glitzerte ihm selbst in tiefster Nacht von ihren Zehen entgegen.
Das Kleid war hoch gerutscht, gab so viel von ihren schmalen Beinen preis. Wäre ein anderer bei ihnen gewesen, hätte er sie in den Arm genommen. Um zu zeigen, dass sie zu ihm gehörte. Doch jetzt, wo sie alleine waren, wagte er es nicht.

Er wusste, dass sie weinte. Und traute sich doch nicht, sie zu trösten. Zu hoch war das Risiko, dass sie ihn von sich stieß. Zu viel hatte er heute Nacht kaputt gemacht.

„Warum?“, schluchzte sie.

Warum musste sie es ihm jedes Mal zum Vorwurf machen? Warum merkte sie nicht, dass er diese Frage nicht mehr hören konnte? Dass sie ihn zerfraß, innerlich zerriss und ihre Beziehung zerstörte?
Beziehung – da floss sie dahin am Wegesrand vermischt mit Blut.
Hätte sie auch nur einmal eine andere Frage gestellt, hätte er geantwortet.
Hätte gesagt, warum er es tat.
Nicht um zu vergessen, wie sie glaubte. Um zu spüren, dass er noch immer lebte. Und egal was er tat, das Blut durch seine Adern floss.
Doch danach fragte sie nie.

„Ich kann das nicht mehr.“

Ebenso wie ihre Liebe am Wegesrand lag, lag auch sein Herz dort. Sein Stolz und sein Wille.
Wären sie nicht alleine gewesen, hätte er um sie gekämpft. Aus ihren Selbstgesprächen und Gedanken wären echte Worte geworden und er hätte ihr geantwortet.

Doch so floss das Blut vermischt mit Liebe am Bordstein entlang.

Liebeswegesrandende.
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